Blockupy Erlebnissbericht Tag 3 19.05.12


Blockupy Tag 3

Morgens werd ich freundlich von einer Aktivistin mit den einzigen Worten geweckt, die man dann hören möchte: „Aufstehen, Jüngling! Es gibt Kaffee!“ Schnell krabbel ich aus dem mit Regenwasser gefüllten Zelt.

Der Großteil der anderen ist schon wach, frühstückt und hört Musik.

Nach meinem vierten Becher Kaffee halten wir ein Plenum darüber ab, wie wir von hier am besten ohne Polizeikontrolle in die Innenstadt kommen. Wir kriegen über Twitter Nachrichten darüber dass alle Autobahn-Zufahrten gesperrt sind und jeder Bus plus Insassen komplett gefilzt wird.

Gemeinsam sorgen wir dafür, dass der von uns aus versehen occupierte Garten wirklich wieder so aussieht wie vorher und lassen dem Besitzer zwei schnell organisierte Flaschen Rotwein als Dankeschön auf dem Tisch seiner Gartenlaube stehen.

Die Hälfte von uns fährt mit der Straßenbahn, ich fahre mit den Anderen im Transporter.

Wir fahren einen großen Umweg durch alle möglichen Seitenstraßen um einer Kontrolle der unfreundlichen Staatsdiener zu entgehen.

Mir ist ein wenig mulmig zumute, da ich mich zwar dagegen entschieden habe ihn zu tragen, aber meinen Armprotektor eingewickelt in meinem Zelt im Gepäck habe.

Die gewählte Route ist perfekt und wir kommen unbehelligt am S-Bahnhof Frankfurt Süd an, von dem aus wir die zwei Stationen zum Hbf fahren.

Die mitgebrachten Walkie Talkies lassen wir dort lieber in einem Schließfach um nicht doch noch auf den letzten Metern vor der Demo in der Gesa zu landen, denn der Bahnhof wimmelt nur so von Robocops.

In Zweier-Gruppen kommen wir ohne aufgehalten zu werden durch die Ausgangskontrollen.

Als wir am schon sehr gut gefüllten Brehmplatz ankommen, hat die Auftaktkundgebung gerade angefangen und nach ein paar Telefonaten haben wir die meisten anderen unserer Bezugsgruppe gefunden.

Neben uns sammelt sich eine Gruppe mit bunt bemalten, selbst gebastelten Schildern aus mit Holz verstärkten Styropor, die bei übermäßiger Polizeigewalt zum Einsatz kommen sollen.

Es haben sich Menschen aus allen europäischen Ländern versammelt um gemeinsam ein friedliches Zeichen gegen den Kapitalismus und seine unmenschliche Auswüchse zu setzen. Es ist bunt, es ist laut und die Stimmung ist super.

Nach ein paar sehr guten systemkritischen Reden stimmen alle den Schlachtruf A-Anti-Antikapitalista an. Das aus 25.000 Kehlen zu hören beschert mir eine Gänsehaut, ich halte die Faust hoch und brülle so laut ich kann. Kurz nachdem die Demo loszieht taucht der schwer bewaffnete schwarze Block auf und bildet Zweier-Reihen links und rechts von uns. Polizei-Spalier von Anfang an, reine Provokation. Es sind die komplett vermummten mit feuerlöschergroßem Pfefferspray, Elektroschockern, komplett Panzerung mit Helm, Schußwaffen, gezogenem Schlagstock und einem Mundschutz, der an Hanibal Lector erinnert. Kamerawagen und Handkameras sind sofort aktiv und ein Polizeiboot begleitet uns auf dem Main.

Die Zweier-Reihen werden schnell verdoppelt und die Mainwiesen sind nur noch schwarz. Einige der Jungs sehen so aus, als hätten sie zu viel Koks zum Frühstück gehabt und rempeln die Demonstranten immer wieder grundlos an.

Andauernd drängen sich Reihen von ihnen in den Demozug. Jeder spürt, dass die in der Luft liegende Eskalation wohl gewünscht zu sein scheint. Zweimal bekomme ich mit wie Typen, die als „Steineschmeißer“ verkleidet sind, durch die Polizeiketten in den Demozug geschleust werden.

Auf Twitter werden Falschmeldungen über Wasserwerfer-Einsätze verbreitet, um die Stimmung aufzuhetzen. Immer wieder wird der Demozug gestoppt, weil die Polizei den Weg blockiert. Doch wir lassen uns nicht provozieren. Ganz im Gegenteil, wir haben unseren Spaß und machen uns über die knallroten und vom Schweiß überströmten Gesichter der Bullen lustig. Denn die Sonne brennt so heftig, dass wir es kaum mit Hose und T-Shirt aushalten. Da muss so ein Voll-Vermummungs-Panzer die Hölle sein. Welche Seite nun die beiden Böller geworfen hat, da bin ich mir nicht zu 100% sicher. Auf jeden Fall sorgen WIR dafür, dass es friedlich bleibt. Kurz vor Ende drängen sie sich noch einmal in Zweier-Reihen mitten in den Demozug, direkt vor den Lauti-Wagen, welcher dieses mit den Worten quittiert: „Die Herren mit der für dieses Wetter absolut ungeeigneten Kleidung, werden gebeten den Demozug auf der Stelle wieder zu verlassen!“ Und wir brüllen alle: „Haut ab! Haut ab!“ bis sie frustriert abziehen und im Park verschwinden. Wir sind völlig erschöpft, haben uns immer wieder Wasserflaschen über den Kopf gekippt und unseren Kopf in den mit Schaum gefüllten Stadtbrunnen gesteckt, um nicht umzukippen. Die mit Blasen übersäten Füße brennen wie Feuer, doch als dann bei der Abschlusskundgebung Iries Revoltes auftreten, drehen wir alle noch mal so richtig auf. Alles hüpft, tanzt und singt „Antifaschist für immer, für immer!“. Es folgt die Rede eines Frankfurter Occupisten in der er, aufgrund des grundgesetzwidrigen Verhaltens der Polizei der letzten Tage (unter anderem das Konfiszieren des selbigen und die Demoverbote) den Rücktritt des Polizeichefs und einiger Politiker fordert, was mit lautem Jubeln beantwortet wird. Kurze Zeit später machen wir uns zufrieden wegen den ganzen gelungenen Aktionen auf den Rückweg. Am Bahnhof stapfen sechs Terminatoren an uns vorbei, die einen Demonstranten tragen, mit den Füßen in der Luft und dem Gesicht knapp über dem Boden. Ein letztes Mal müssen wir durch die einzige offene Tür des Bahnhofs und an den aggressiven Blicken der Kontrollen vorbei. Wir fahren mit der Bahn zu unserem Transporter, verabschieden uns von denen, die nach Berlin weiterfahren, machen uns genauso wie hunderte Mannschaftswagen auf den Weg Richtung Heimat und planen dabei schon die nächsten Aktionen.

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viaBlockupy Erlebnissbericht Tag 3 19.05.12.

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1 Kommentar»

  sunnyromy wrote @

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